Freitag, 31. März 2017

Im Hotel & SPA Reibener Hof in Konzell

Josef Schegerer ist mit Leib und Seele Hotelier. Rund eine Dreiviertelstunde Fahrt von Regensburg entfernt führen er und seine Frau Susanne in Reiben 1, 94357 Konzell im Bayerischen Wald, den Reibener Hof, ein kleines, aber feines hochmodern ausgestattetes Wellness-Hotel der 4-Sterne-Kategorie mit großzügigem SPA-Bereich.

Es gehört schon eine gehörige Portion Mut dazu, einen Batzen Geld in die Hand zu nehmen, um seinen Traum kompromisslos zu leben. Hager, braungebrannt und durchtrainiert begegnet mir Josef Schegerer. Er ist Läufer, sein Blick ist wach seine Freundlichkeit kommt von Herzen.

Er sei ein begeisterter Leser meines Blogs, so schrieb er mich eines Tages an, und wünsche sich, ich publizierte auch einmal eine so schöne Geschichte über sein Hotelrestaurant. Gerne würde er mich und meine charmante Begleiterin deswegen in den Reibener Hof einladen.

Schöne Geschichte?! "Gefälligkeitsgutachten" verfertige ich keine, antwortete ich. Wenn das sein Ansinnen sei, müsse ich ihn leider enttäuschen. Nur unter der Bedingung, dass ich erstens offen erwähnen würde, dass ich eingeladen wurde und zweitens, dass der Schuss auch nach hinten losgehen könne, wenn mich die Küche nicht überzeuge, komme so ein Deal für mich in Frage ...
von Robert Bock

Josef Schegerer, ganz Sportsmann, antwortete, natürlich gelte sein Angebot auch unter diesen Bedingungen. Gerade weil mein Blog so ehrlich sei, finde er ihn gut.

Ich schlafe eine Nacht darüber, bevor ich mich entscheide ... Ich war noch nie in einem Wellnesshotel zu Gast - womöglich eine horizonterweiternde Erfahrung? Nun denn, auf nach Konzell! Eine Übernachtung mit Abendmenü im Hotelrestaurant und Frühstück!

Verläßt man die A3 Richtung Straubing dort, wo diese die B20 kreuzt und orientiert sich auf ihr gen Norden, schwingt sich die Landschaft erst in sanften, doch bald bereits in steilen Hügelzügen in die Höhe. Siebzehn, ja zwanzig Steigungsprozente sind dort keine Seltenheit, läßt man die Bundestraße links liegen und folgt den schmalen Nebensträßchen mit ihren herrlichen Aus- und Einblicken in die herbe Landschaft des Bayerischen Waldes. Ein Dorado für Rennradfahrer. Pfeilschnell sausen sie in tiefgebückter Haltung die Abfahrten hinab und kraxeln im Wiegetritt die allfällige nächste Steigung empor ...

In Stallwang legen wir in einer Konditorei am Dorfplatz eine kurze Kaffeepause ein. Wunderbaren Mohnkuchen und riesige Nussbeugerl verkaufen sie dort und auch der Kaffee ist nicht von schlechten Eltern. Man sitzt zwischen Obst und Zeitschriften auf hohen Hockern. Die Konditorei fungiert als Tante-Emma-Laden. Sehr charmant!


Wir fahren weiter und - wie? Wir sind schon da?! Tatsächlich: Der Reibener Hof lehnt sich an einen sanft ansteigenden Hang. Die Balkone zeigen nach Südwesten, die Sonne scheint und der Hotelparkplatz ist um 15 Uhr gut gefüllt.

In der Lobby wartet eine für meinen Geschmack zu laute, mutmaßlich angeheiterte Reisegruppe nach dem Auschecken auf den Bustransfer. Das Gros der Männer hält sich an Weißbiergläsern fest - Weißbier-Wellness?! Die Rezeptionistin, die Ruhe selbst, begrüßt uns freundlich, überreicht uns unsere Zimmerschlüssel und weist uns ins Grundsätzliche ein.

Ich logiere im ersten Stock in einem Zimmer vom Typ 5 - hotelintern auch "Erde" genannt. Die Website beschreibt diesen Zimmertyp wie folgt:

"Komfortabel ausgestattet mit Dusche/WC, Telefon, Radio, kostenlosem Zimmertresor, Sat-TV mit Flachbildschirm (88 cm Bildschirmdiagonale), DSL-Anschluss, und Minibar. Der Wohnbereich mit gemütlicher Sitzgelegenheit und Balkon zur Südwestseite lädt nach erlebnisreichen Urlaubstagen zum Verweilen ein."

Nicht schlecht, Herr Specht, denke ich mir, als ich den lichtdurchfluteten Raum betrete. Die gläserne Wand zum Nasszellenbereich mutet mir zwar etwas gewöhnungsbedürftig an, aber als ich dem Hotelprospekt entnehme, dass es auch einen Zimmertyp mit beleuchteter Badewanne neben dem Bett gibt, relativiert sich mein Befremden.

Schnell zeigt sich: Die Schegerers wollen ihren Gästen Außergewöhnliches bieten - das fängt bei den Zimmern an. Die Matratzen sind prima, das Zimmer ist ruhig, klug ausgestattet - ich fühle mich auf der Stelle wohl.
Auch Nachhaltigkeit wird im Reibener Hof groß geschrieben. Der elektische Strom wird mittels Solarzellen und eines Holzvergasers gewonnen. Das Holz dafür wächst auf einer hoteleigenen Pappel-Plantage.
Ich schlage meiner charmanten Begleiterin vor, das Hallenbad aufzusuchen, um eine Runde zu schwimmen.

70qm groß ist der moderne Pool mit Gegenstromanlage und Massagedüsen.
Die Luft ist etwas dampfig, aber das kennt man ja von Hotelhallenbädern allerorten. Eine Gegenstromanlage ist eine sinnvolle Einrichtung, wenn man sich sportlich zu schwimmen vorgenommen hat. Zuverlässig hält sie mich, ob ich nun im Brust- oder Freistil unterwegs bin, fern vom Beckenrand.

Der gesamte Wellnessbereich ist hochmodern, wertig und geschmackvoll eingerichtet. Er erstreckt sich über ca. 1500qm. Der Aussenbereich beherbergt einen Whirlpool mit angenehmen 36°C, eine Naturerlebnissauna (ca. 85°C), Frischebecken und Liegeflächen. Im Relaxium, einem Ruhebereich, befindet sich eine Biosauna (ca. 55°C und 45% Luftfeuchtigkeit), Ruheliegen und eine Kuschelecke sowie die teatime - Tee- und Wasserlounge.

Dort kann man sich ohne Aufpreis Tee aufbrühen oder kalte Erfrischungsgetränke genießen. Ferner finden sich dort das Tepidarium (ca. 40°C), Wasserbetten und Wellnessliegen. Im Saunabereich hat man die Wahl zwischen einer Zitronen-Orangen-Sauna (ca. 65 °C), einer Heusauna (ca. 60°C), einer Dampfsauna (ca. 45°C), einer Rosensauna (ca. 35°C), Erlebnisduschen sowie Tret- und Tauchbecken.


Hauptsächlich Frauen - und zwar in munter quasselnden Grüppchen - tummeln sich im Wellnessbereich an diesem Nachmittag. Blitzblank und sauber ist mein Eindruck vom Wellnessbereich des Reibener Hofs. Ich verfüge zwar über wenig Spa-Erfahrung, aber was ich hier sehe, gefällt mir. Das Spa meine ich, nicht die anwesenden Damen ...

Dann wird es Zeit das dolce fa niente zu beenden, denn das Abendessen wartet. Zunächst als Aperitif ein Gläschen Sekt in der Hotelbar, dann durch die Vinothek hinein ins geschmackvoll eingerichtete Restaurant. Man hat uns einen Tisch reserviert.

Wir folgen dem Abendmenü der "Verwöhnpension" und starten mit kalten Vorspeisen und Salatauswahl vom Buffet in den kulinarischen Teil des Abends.

Um diesen wird sich der Kern meines Besuchsberichtes vom Reibener Hof drehen - Herr Schegerer war selbstbewußt, mutig und sich sicher, seine Küchencrew werde ihn nicht im Stich lassen, wenn der "gefürchtete Kritiker" zu Gast sein würde.

Wir bestellen eine große Flasche Mineralwasser und eine Flasche 2015er Grünen Veltliner aus Niederösterreich. Das frische, trockene und durchaus finessenreiche Tröpfchen ist mit 17,50 EUR fair bepreist, wie auch der Rest des ausreichend umfangreichen Weinangebots des Reibener Hofs. Hier greift man gern zu einer ganzen Flasche, zumal man ja gottlob nicht mehr heimfahren muss, sondern nach dem Nachtmahl umgehend ins Bett fallen kann.

Einzig die Weingläser sind eines Hotels und Lokals dieser Güte nicht würdig: zu dickwandig und von der Form her ungeeignet, einem Weißwein seine Finesse zu entlocken. Spiegelau und Zwiesel sind nicht weit. Dort sollte man fündig werden ...

Die Auswahl an kalten Vorspeisen ist, wie auch die Auswahl an angerichteten Salaten, Salatkomponenten, Essigen, hausgemachten Dressings und feinen Speiseölen, vielfältig, abwechslungsreich und unterm Strich hervorragend. Nichts habe ich vermisst - im Gegenteil: Ich bin begeistert, weil meine Erwartungen übertroffen wurden.

Klassiker wie Vitello tonnato und Insalata caprese reihen sich an interessante Ausflüge in russisch-ukrainisch angehauchte Küchenschmankerln, die ich persönlich von Moskau bis Ulan Ude kaum irgendwo besser gegessen habe.

Herausragend für mich: Die Blini mit Schmand und Räucherlachs sowie die kunstvoll verfertigte Roulade von Frischkäse und Kochschinken. Doch auch hervorragend gebratene, asiatisch marinierte Garnelen fehlen nicht. Schön dekoriert, frische Kräuter, hervorragende Rohstoffe. Sehr schön!

Der originelle Schupfnudelsalat und das mediterran marinierte, perfekt rosa gebratene Roastbeef erfreuen mich ebenso, wie der sehr gute Tiri Feta, der mit feinem Olivenöl und buntem Rohkostgemüse angerichtet ist.

Es fehlen Zeit und Raum, um alle Leckereien zu würdigen, die das Buffet bereithält, zumal ich Platz für Suppe, Hauptgang und Dessert lassen muss.

Schade! Meine Begleiterin und ich geben dem Vorspeisen- und Salatbuffet des Reibener Hofes eine glatte Eins.

Artur serviert uns die Suppe. Er ist in der Ukraine geboren, spricht hervorragend Deutsch mit einem sympathischen Akzent und ist für den Serviceberuf geboren. Ihm gebührt ein Sonderlob für Freundlichkeit und Gastorientierung. Auch seine situativ kreativen Späßchen zeugen von Liebe zum und Talent für seinen Beruf.

Schade für den Reibener Hof, so wird mir sein Chef später zustimmen, dass es den guten Artur zum Ende der Saison nach Australien zieht. Einen Mitarbeiter wie ihn wird man weltweit überall mit Handkuss empfangen ...  Doch auch die Restaurantleiterin Veronika ist Profi durch und durch. Er und sie teilen sich heute den Service im Restaurant. Beider Leistung verdient hohes, ja höchstes Lob.

Die Suppe nicht. Eine Currycremesuppe mit Bananenchips wurde annonciert. Sie fällt sehr fruchtig aus und es fehlt ihr der gewisse Pep und Schärfe. Die Konsistenz läßt den Einsatz eines Thermomix vermuten: so mechanisch perfekt, dass es beinahe langweilt.

Wären die knusprigen Bananenchips nicht gewesen, die Suppe wäre bei mir zumindest durchgefallen. Konstruktiver Vorschlag an die Küche: Frische rote Chili in hauchdünnen Ringen, Ingwerwürfelchen, ein Spritzer Limettensaft, ein Wölkchen Kokosmilch und ein paar Blättchen Koriander oder Thai-Basilikum würden das so eher gewöhnliche Basissüppchen - auch optisch! - in andere Sphären katapultieren. Von mir für die Suppe eine 4.

Meine charmante Begleiterin wählt zum Hauptgang Forellenfilet gegrillt an Zitronenschaum mit Zuckerschoten und Backkartoffeln.

Besonders gut gefallen ihr die fächerartig eingeschnittene, perfekt gegarte Backkartoffel und der interessante Zitronenschaum. Auch die Zuckerschoten haben ihre Farbe durchs gekonnte Blanchieren behalten und finden ihr Gefallen.

Die Forellenfilets jedoch - dessen darf ich mich überzeugen - haben zu lange zu hohe Hitze gesehen und/oder litten unter dem Verweilen auf dem sehr warmen, ja heißen Teller auf dem serviert wurde. Ein Forellenfilet zu grillen, so dass das Fleisch noch glasig bis saftig bleibt, ist eine Angelegenheit von Sekunden. Dieses Filet war unterm Strich zwar keineswegs missglückt, aber für unser beider Geschmack zu trocken geraten. Trotzdem billigt meine stets sehr kritische Begleiterin ihrem Hauptgang eine Note 2,5 zu.

Ich habe mich für Entenbrust an Rotwein-Schalottensoße mit Schwarzwurzelgemüse und Polentaecken entschieden.

Ein Blick aufs Foto zeigt: Besser kann man eine Entenbrust kaum garen. Die Fleischqualität ist hervorragend. Die Rotwein-Schalottensoße ist sauber gezogen und reich an auf den Punkt gegarten Schalottenvierteln. Man hätte wohl etwas mehr Rotwein und diesen etwas deutlicher einreduzieren können, um der Soße mehr Mumm einzuhauchen - aber das ist Jammern auf hohem Niveau.

Das Schwarzwurzelgemüse ist gut. Die Polentaecken beweisen, dass die Quadratur des Kreises entgegen anderslautender Hypothesen aus Mathematikerkreisen einem Koch durchaus gelingen kann: Ein kreisrundes Polentatörtchen vervollständigte das Ensemble auf meinem ebenfalls sehr gut vorgewärmten Teller. Ich bin kein Fan von Polenta und enthalte mich von daher eines geschmacklichen Urteils. Handwerklich gibt es nichts an dieser Interpretation des norditalienischen Klassikers auszusetzen. Insgesamt von mir für meinen Hauptgang eine glatte 2.

Das Dessert ist als Buffet aufgebaut und ungemein vielfältig und üppig. Ich habe nurmehr wenig Platz im Magen und genehmige mir zunächst eine kleine Auswahl von der ansehnlich und abwechslungsreich bestückten Käseplatte. Auch wenn diese nur minderheitlich aus Rohmilchkäsen besteht, gebe ich ihr eine 2, weil ich es zu schätzen weiß, dass überhaupt passabler Käse als Dessert zur Wahl steht. 

Meine Begleiterin schwelgt förmlich in den vielfältig dargebotenen süßen Schweinereien und auch ich will zumindest dreierlei davon probieren.

Die Tiramisu ist für meinen Geschmack zu dünn in den Aromen - der Espresso nicht stark genug, der Amaretto zu wenig? Die Panna Cotta ist prima und schlägt den Nugatschaum an Klasse.

Von mir, wegen meines sättigungsbedingt sehr lückenhaften Einblicks, keine Note fürs Gesamt - für die Panna Cotta aber eine 1.

Mit einem sehr guten Espresso beschließen wir den Abend und vertreten uns in lauer Frühlingsluft die Beine.

Wir bewerten das gesamte Abendmenü von der Küchenleistung her mit einer 2- und den Service mit einer 1.

Man muss nicht Hotelgast sein, um hier zu speisen,  auch a la carte oder ein Gala-Menü sind möglich. Wir können einen Besuch des Restaurants auf Basis der uns gebotenen Leistung guten Gewissens empfehlen.

Auch das opulent ausgestattete Frühstücksbuffet lässt keine Wünsche offen. Mein Highlight: Weißwürscht mit Laugenbrezeln und Händlmaiersenf und nach Wunsch zubereitete Eierspeisen. Mit einem Rührei mit Schinken und Speck muss ein Tag einfach gut beginnen. Die vegane Ecke hingegen lasse ich aus Überzeugung links liegen. Fürs vorbildliche Frühstücksbuffet für ein Hotel dieser Kategorie von uns beiden eine 1.

Wir verlassen den Reibener Hof in Konzell mit einem unterm Strich sehr guten Eindruck, auch wenn die Zeit nicht im entferntesten reichte, um das gesamte Wellness-Angebot des 4-Sterne-Hotels zu testen. Das Restaurant ist einen Abstecher wert, wenn man im Raum Sankt Englmar weilt, denn dort wird man, vom Gut Schmelmerhof vielleicht abgesehen, kaum Vergleichbares finden.

Familie Schegerer gilt unser Dank für die Einladung. Liebe Schegerers, Sie sind auf einem guten Weg. Bleiben Sie so kompromisslos qualitäts- und gastorientiert, wie wir Sie und Ihren Betreib wahrgenommen haben. Qualität setzt sich immer durch!











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